Scientific Collaboration On Past Speciation Conditions in Lake Ohrid

Der Ohrid See ist ein einzigartiger alter See in Europa, mit dem höchsten Grad endemischer Artenvielfalt (bezogen auf die Seegröße) weltweit. Das SCOPSCO-Bohrprogramm sieht Bohrungen an verschiedenen Stellen vor, wobei die Sedimente an der dicksten Stelle ca. 680 m messen. SCOPSCO ist das erste ICDP-Projekt weltweit, das in erster Linie zu Evolutionsfragen durchgeführt wird. Zur gleichen Zeit werden mit Hilfe von DNA-Analysen an recenten Arten die Entwicklungsgeschichte einzelner endemischer Arten rekonstruiert. Die Kombination von Tiefbohrung und DNA-Analyse überprüft auch Hypothesen zur Wirkung von Umwelteinflüssen auf Artbildungsprozesse.

Tatsächlich wurden praktisch alle Hypothesen für den Ursprung des bestehenden Ohrid Sees vor fast 100 Jahren aufgestellt und keine davon im Rahmen moderner wissenschaftlicher Möglichkeiten überprüft. Außerdem herrscht Uneinigkeit darüber, ob der herrausragende Grad endemischer Arten im Ohrid See das Ergebnis der vermuteten langfristigen Umweltstabilität oder rapider Brüche innerhalb der Seeumgebung ist, wie etwa klimatische, hydrologische oder geologische Veränderungen. Die Hauptziele des Projekts sind, unabhängige phylogeographische Daten mehrerer wirbelloser Arten zu verwenden, um a) den Ursprung der noch vorhandenen Fauna des Ohrid Sees zu entschlüsseln und so Informationen über die limnologische Geschichte des Sees zu gewinnen, b) Zeitpunkte der Hauptentwicklungsereignisse im Ohrid-Becken zu benennen, die zur Artbildung und damit zur außergewöhnlichen Vielfalt und dem hohen Vorkommen endemischer Arten führten, c) einen Zusammenhang herzustellen zwischen diesen Daten und Hauptereignissen geologischer, limnologischer und Umweltveränderungen und d) zu verstehen, welche Auswirkung geologische, physikalisch-chemische und/oder Umweltereignisse auf die Entwicklungsgeschichte des Sees hatten. Das Projekt ist von allgemeiner Wichtigkeit, da die Bestätigung des Zeitrahmens der Haupt-Entwicklungsereignisse im Ohrid See nicht nur helfen wird, Licht auf die unsichere limnologische Geschichte des Sees zu werfen. Es wäre ebenso eines der ersten Beispiele dafür, dass Biologen molekulare Entwicklungen mit limnologischen Ereignissen in Beziehung setzen. Und dies im Rahmen eines International Continental Deep Drilling Projects (ICDP).

 

 

 

Wilke Schnecken